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Wie derzeit im KI-Kontext mit dem Terminus „Rationalismus“ Schindluder getrieben wird

  Bis vor Kurzem war klar: Mit „ Rationalismus “ ist eine (v.a. in der Neuzeit prominente) erkenntnistheoretische Strömung in der Philosophie gemeint, die bei der Frage, wie Erkenntnis erlangt und begründet werden kann, als letzte bzw. fundamentale Erkenntnisinstanz auf das Denken bzw. die Vernunft setzt. Der klassische Gegenspieler des Rationalismus ist der Empirismus . Das Credo des Rationalismus lautet grob gesprochen: Das Wissen und die Rechtfertigung von Überzeugungen gründen (vorrangig) im Denken und es gibt auch Wissen über die Welt , das nicht über Erfahrung begründet wird. Bedeutende Vertreter des Rationalismus sind u.a. René Descartes (1596-1650), Baruch de Spinoza (1632-1677) und Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). Seit Neuestem hat sich nun im Zuge der laufenden KI-Revolution der Terminus „Rationalismus“ für eine weitere – man sollte es besser in Anführungszeichen setzen – „philosophische“ Strömung eingebürgert, die sich in der Tech-Industrie un...

Kosmologie und Astronomie in der griechischen Antike

  Die Anfänge der Kosmologie Die Kosmologie – also die Lehre von dem Anfang , der Entwicklung und der Struktur des Universums – hat ihren Ursprung bei den vorsokratischen Naturphilosophen . Bei z.B. Thales , Anaximander und Anaximenes (alle 6. Jh. v. Chr.) wird das Universum zum Kosmos – einer Welt, die durch allgemeine Ordnungsprinzipien strukturiert ist. Das Neue der Vorsokratiker: Es wird nicht nur nach einer Beschreibung (und Prognose) der Himmelsphänomene gesucht, sondern nach zugrundeliegenden und die Realität wiedergebenden Modellen, die diese Phänomene erklären können. Ein Beispiel: N ach Anaximander ist die (zylinderförmige) Erde von mit Feuer gefüllten Schläuchen umgeben, die an porösen Stellen den Blick auf das Feuer freigeben und uns so als auf Kreisbahnen rotierende Planeten erscheinen – und eine Sonnenfinsternis z.B. entsteht dann, wenn die entsprechende Pore „verstopft“ ist. Das in Schulen noch heute oft fälschlicherweise als Vorstellung des Mittelalt...

Wie die Physik ein metaphysisches Prinzip zu Fall gebracht hat – aber nicht sagen kann, wie damit weiter umzugehen ist

  Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das folgende metaphysische Prinzip nahezu unbestritten: PhKP : Jedes physische Ereignis hat eine hinreichende physische Ursache. Dies ist das Physikalische Kausalprinzip . Es ist ein dezidiert metaphysisches Prinzip – wenngleich es sich auf die „physikalische Welt“ bezieht. Aber es ist keine Folge der Physik, nichts, was sich empirisch beobachten lässt. Es ist ein Prinzip, das als plausibel zur Charakterisierung der Welt gesehen wurde. PhKP ist bei genauerer Betrachtung die logische Folge aus der Konjunktion von zwei anderen metaphysischen Prinzipien – dem Allgemeinen Kausalprinzip (AKP) und dem starken (StPKG) oder dem schwachen Prinzip der kausalen Geschlossenheit der physischen Welt (ScPKG): AKP : Jedes Ereignis hat eine hinreichende Ursache. StPKG : Jede hinreichende Ursache eines physischen Ereignisses ist selbst physisch. ScPKG : Jedes physische Ereignis, das eine hinreichende Ursache hat, hat auch eine physische hinr...